3 Fragen an Maria Salinas

Am 14. September wird in Münster der Integrationsrat neu gewählt. Das Gremium vertritt Menschen, die hier leben, aber eine Einwanderungsgeschichte haben. Ralf Heimann hat mit der Vorsitzenden Maria Salinas darüber gesprochen.

Warum ist der Integrationsrat für Münster wichtig – und was kann er konkret bewirken?

Salinas: Wissen Sie, wie frustrierend es ist, seinen Partner zur Wahlurne zu begleiten – und selbst draußen bleiben zu müssen? Ich habe das erlebt. Wir leben hier in Münster, zahlen Steuern, ziehen Kinder groß – und dürfen den Rat oder die Oberbürgermeisterin nicht wählen. Deshalb ist der Integrationsrat so wichtig: Er gibt Menschen mit Migrationsgeschichte eine politische Stimme. Er kann Anträge stellen, Gespräche mit Ratsfraktionen führen und Einfluss nehmen, bevor Entscheidungen getroffen werden. Und er ist ein wichtiges Bindeglied – nicht nur für Eingewanderte, sondern für das Zusammenleben in unserer Stadt. Denn: Wer betroffen ist, sollte auch selbst sprechen dürfen. Das ist keine Frage der Perspektive, sondern der Logik.

Sie sprechen von politischer Teilhabe auf Augenhöhe – was fehlt aus Ihrer Sicht noch, damit dieses Ziel erreicht wird?

Salinas: Ganz klar: ein Stimmrecht in den politischen Gremien. Im Moment dürfen wir nur beraten, nicht entscheiden – das reicht nicht. Auch im Rat dürfen wir nur reden, wenn es vorher beantragt wurde. Spontane Beiträge? Nicht möglich. Dabei geht es um echte Teilhabe – nicht nur symbolische Präsenz. Und: Wir selbst, als Mitglieder des Integrationsrats, müssen bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, uns weiterzubilden und mit Überzeugung für unsere Wähler*innen zu sprechen. Teilhabe bedeutet nicht nur Rechte, sondern auch Einsatz.

Bei der letzten Wahl haben nur 20 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt. Was müsste passieren, damit sich mehr Menschen mit internationaler Geschichte beteiligen?

Salinas: Die meisten wissen gar nicht, dass sie wählen dürfen. Es gibt kein städtisches System, das darüber informiert – nur die Listen versuchen es auf eigene Faust. Münster liegt mit 20 Prozent trotzdem über dem Schnitt, andere Städte kommen kaum auf zehn Prozent. Was wir brauchen, ist eine oizielle, mehrsprachige Informationskampagne – unterstützt von der Stadt. Stattdessen stoßen wir auf Bürokratie und leere Kassen. Deshalb entwickeln wir jetzt eigene Flyer und Plakate, um wenigstens ein paar Menschen zu erreichen. Aber klar ist: Ohne strukturelle Unterstützung bleibt Teilhabe schwer zugänglich.